Weihnachtsmanns bärtige Genossen

Vor gut einer Woche kommt mein tag7-Kollege Christoph zum Vereinsmeeting - mit nagelneuem Vollbart.
"Meine Freundin fand das ganz gut, und ich gewöhn mich noch dran" - sprachs und setzte sich. Alles in der Runde grinst. Denn: Bärte sind in.

Wer den Trailer zum neuen Film von Leander Hausmann "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" gesehen hat, weiß spätestens dann Bescheid (wer trendquest.de im Frühjahr 2005 gelesen hat, sowieso): Der gesellschaftlich relevante Protagonist trägt Bart. Oberlippenbart wie der von Benno Fürmann gespielte Hauptdarsteller. Oder Vollbart wie Daniel Craig und Ben Affleck oder sogar Schnauzvollbart wie dessen jüngerer Bruder Casey Affleck oder Herr Johnny Depp.

Und in der Werben & Verkaufen lese ich ein Interview mit Herrn Dölle, Unternehmensberater. Dabei ist auch ein Foto von ihm im Businesshemd: Kleidung und Stil normal Hemd und Krawatte, dazu relativ kurzes Haar und dezent modische Brille. Er könnte eigentlich locker als Anfang-90er-Jahre-Yuppie durchgehen. Wenn da nicht der gepflegte Oberlippenbart wäre, der sogar leicht noch die Mundwinkel einrahmt.

So ist es. Bärte sind in.
Und der alleroberste Bartträger ist...?


Kaiser Wilhelm? Nein, der kommt erst zur Stadtschlosseröffnung dran.

Osama bin Laden? Nein, den brauchten wir nur als (bis 2007*) jedes Jahr zur Weihnachtszeit erneut auftauchenden banalglobalpolitischen Gegenentwurf. Und sein offiziell abgesegnetes (sic!) weihnachtliches Gegenstück ist dann ja besänftigend auch schon da. Überall in Funk und Fernsehen.


Der Weihnachtsmann ist es. Der oberste Bartriarch.

Jedes Jahr rauschiger im Gesicht, jedes Jahr ein Stück mehr stattlicher Patriarch.
Zur Vorweihnachtszeit 2007 tragen mehr Schokonikoläuse denn sonst goldene Krummstäbe, Goldborte am Mantel, der tendenziell sogar eher dunkelrot gehalten ist als im grellen Comic-Rot. Und immer wieder Gold. Die Insignien der Macht und der Würde: Bart, Gold, würdeumflorter Blick.

Aus ist es bald mit dem niedlichen Vorgarten-Weihnachtsmann mit roter Alkoholikernase. Jetzt kommt der alte Patriarch und sogar geschichtliche Kirchenherrscher Nikolaus I. aus Vorderasien und macht den Weg frei für gesetztere Mannsbilder in Mode, Politik, Wirtschaft und Kultur!

Was ist noch alles zu erwarten für die kommenden Jahre? Weiht im Jahr 2010 ein schnauz- oder vollbärtiger Bundespräsident Müntefering die Grundsteinlegung für den Bau des Berliner Stadtschlosses ein? Hand in Hand mit Mutter Merkel natürlich.

Tritt Deutschlands Vorzeigemanager Josef Ackermann im Dreiteiler mit Zylinder auf dem Kopf und stattlichem Rauschebart unter der Nase im Jahr 2012 vor die Menge und verkündet die Wiederinstallation der Deutschen Wirtschafts-Kraft als Europäische Vorzeigeindustrie? Oder fordert er die Deutsche Mark zurück?

Branchenboom mit neuen Hüten, Spazierstock und Bartschoner

Planen wir also für die kommenden 10 Jahre einen Boom ein für die folgenden Branchen: Bartpflegemittel, Bartschoner sowie die weiteren Hersteller und Insignien, Hut und natürlich Zigarre Marke Bismarck bis Herrenhandschuhe, Reitstiefel für den Herrn und die Dame, Gamaschen, Spazierstöcke und was der patriarchische Mann von Gesellschaft morgen noch so braucht. Sei er Philanthrop oder Kapitalist, Öko-Politiker, Electro-Automobil-Evangelist oder Produzent von Marketing-Film-Kinematographien.

Wer etwas auf sich hält in Wirtschaft, Politik und Kultur,
der trägt morgen Bart.

Der Herr Rudolf Scharping wäre heutzutage auf dem besten Wege, eine gute Gesichts-Figur zu machen - Bart steht ihm einfach besser. "Wie bitte?" fragt da der sich an die damalige Bart-Politik "SPD-Bart vs. CDU-Bartlos" erinnernde Leser. Aber ja. Der Blick auf den Herrn Scharping aus der zeitlichen Distanz von heute zeigt's (Bildausriss wdr.de).

Do the Bart-Man.

Vorbei die Zeiten von "Kein Bartwuchs für Wirtschaftslenker". Nur die aufkommende Kulturszene des Jahres 2016 beginnt, sich wieder zu rasieren. Wer Bart trägt, ist dann auch bald Establishment. Aber das ist sicher erst im Jahr 2035.

In diesem Sinne: Frohen Weihnachts-Bartrausch!











PS: Christoph steht der Bart eigentlich ganz gut. Macht natürlicher und gesetzter.


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* nach der Amtszeit von George Bush wird Bartträger Osama eh nicht mehr benötigt

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