Hamburg, Kultur und das Gängeviertel - Trends in der Stadtentwicklung

Momentan wird viel über das Hamburger Gängeviertel diskutiert: Ein vereinbarter Runder Tisch mit Teilnehmern von Stadt und Gängeviertel-Nutzern/Besetzern/Künstlern wurde sehr kurzfristig vor Beginn des Treffens abgesagt. Ebenso wurde die geplante Veröffentlichung eines vom Hamburger Oberbaudirektor für das "Hamburger Abendblatt" verfassten "Pro-Gängeviertel"-Artikels zur gleichen Zeit zurückgerufen.

Klar ist: Die Stadt Hamburg steht mittlerweile sehr gespalten zum Investor Hansevast, der das Gängeviertel komplett "sanieren" wollte, sprich attraktive historische Fassaden bleiben und dahinter erfolgte eine komplette Neubebauung. Der Investor ließ sich jedoch Zeit und ließ das Häuserensemble lange Zeit eher verfallen (soweit die Historie, mal sehr vereinfacht gesagt).
Es gibt nun Gerüchte, dass die Stadt Hamburg beabsichtige, das Viertel zurückzukaufen. Je weniger sie sich dabei in die Karten schauen lässt, desto weniger müsste die Stadt zahlen.

Aber dies sind bis dato nur Gerüchte.

Da nichts klar zu sein scheint, wird nun das kurzfristige Absagen des Treffens zum Runden Tisch von vielen Gängeviertel-Fürsprechern bitter beklagt.

Aber denken wir doch mal positiv: Ist es nicht vielleicht einfach nur so, dass die Stadt Hamburg lieber sehr diplomatisch vorgehen möchte, um die bei Rückkauf möglicherweise an Hanzevast zu zahlende Ablösesumme niedrig zu halten?
Das geht eben besser, wenn man nicht gleich seine vollen Absichten klar macht - zum Beispiel dies Viertel und die für Hamburg letztendlich touristisch-wertvolle exzellente in zentraler "sauberer" Lage befindliche Kunst-Exoten-Perle zu erhalten.

Welche Vorteile hätte die Stadt Hamburg durch das Gängeviertel?

Ich kann mir vorstellen, dass Hamburg nun auch gerne seine "Hackeschen Höfe" oder sein "MontMartre" haben möchte. Die Hamburger Kunstszene ist ja nicht ohne. Und wenn schon die Gängeviertel-Künstler von einer anderen Großstadt eingeladen werden, sich im Zweifel doch dort anzusiedeln, dann mag das manchem städtischem Entscheider zu denken gegeben haben.

Ein attraktives Hamburger Kunst-Viertel - das geht zudem besser in der von der Szene her etwas isolierten Innenstadtlage als in der unruhig erscheinenden Schanzenviertel-Karoviertel-St.Pauli-Gegend.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Oberbaudirektor ohne Wissen des Senates mal eben so privat einen Text/"Behördenkommentar" in der zentralen Hamburger Tageszeitung schreibt.

Mir klingt es eher so, als wenn da jemand intern gesagt hat "Lasst uns hier mal lieber etwas bedeckt halten" - und wie ich las, sollen die Hansevasts ja ziemlich harte Finanzverhandler sein...
Diese im letzten Moment verfügte Schweige-Aktion war natürlich etwas unglücklich - aber allein schon die Tatsache, dass auch die Runder-Tisch-Teilnehmer aus dem Gängeviertel laut Abendblatt nichts sagen ("gemeinsam vereinbartes Stillschweigen"), lässt doch einiges vermuten - und hoffen...


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