Berufliche Selbst-Verantwortung oder Wirtschafts-Feudalismus
Arbeitnehmer sollen sich im Urlaub weiterbilden - Verhältnis "Arbeitnehmer zu Unternehmen" ändert sich.Arbeitnehmer sollen sich im Urlaub weiterbilden - so die Forderung der Wirtschaft laut einer ddp- und SPIEGEL-Pressemeldung vom 04.08.2007.
Interessant ist, dass auf diese Meldung hin keinerlei Proteste seitens der Arbeitnehmervertretungen kamen.
Im Zusammenhang mit der wachsend sichtbar werdenden Tendenz zur Neuen Klassik erscheint diese Entwicklung jedoch nur logisch.
Dieser Trend im Verhältnis "Arbeitnehmer zu Unternehmen" lässt sich in zwei Richtungen interpolieren:
1. Unternehmen und Arbeitsplatz - Sicherheit und Community
2. Unternehmen als streng hierarchische Einheit
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1. Unternehmen und Arbeitsplatz als Sicherheit gebende Community
Arbeitnehmer übernehmen als vollwertige mitspracheberechtigte Mitglieder ihres Arbeitgeber-Unternehmens auch Eigenverantwortung bei der Qualifizierung ihrer Fähigkeiten.
Und das zum Wohle aller:
- das Unternehmen erhält seinen Wert am Markt
durch ausgebildete Arbeitskräfte
- der Arbeitsplatz bleibt erhalten durch einen
wettbewerbsfähigen Arbeitnehmer
- der Arbeitnehmer sichert seinen Arbeitsplatz
durch die Wertsteigerung der eigenen Arbeitskraft
- durch Eigeninitiative ausgebildete Arbeitnehmer sind
besser ausgebildet, weil sie das Gelernte besser aufnehmen
Das Unternehmen bildet mit den dort beschäftigten Arbeitskräften mehr oder weniger eine familiäre Gruppe und Einheit.
2. Unternehmen als streng hierarchische Einheit
Die globale Kommunikations-Vernetzung und Präsenz der Unternehmen führt zu massiven Markt-Konzentrationen auf einige wenige Big Global Player.
Dies führt zu einem neuen Feudalismus.
- das Unternehmen spart im Sinne der Globalisierungs-Rentabilität
massiv an Kosten-Ausgaben - Weiterbildung der Arbeitskräfte wird
auf deren Verantwortung umgelegt
- Arbeitnehmer werden zu knappen Lohnbedingungen beschäftigt und
müssen sich dem Unternehmen "verkaufen"
- der Arbeitnehmer steigert den Eigenwert durch Weiterbildung
- Arbeitskräfte unterbieten sich in den Löhnen und Gehaltseinstufungen
Je nach Staatsform wird dies sogar von den Bürgern begrüßt, da solche Unternehmensformen vermehrt auch politische Aufgaben übernehmen und den Bürgern Sicherheit im Alltag wie auch gegenüber äußeren Risiken bieten können.
Fazit:
Modell 1 wird sich vermutlich in Gesellschaften mit Bevölkerungsschwund etablieren. Diese können sch aufgrund der Gleichheit von Arbeitnehmern und Arbeitgebern demokratischere Strukturen erlauben.
Modell 2 etabliert sich dagegen eher in Gesellschaften mit starkem Bevölkerungswachstum - der Konkurrenzdruck unter den Arbeitnehmern ist groß. Demokratische Gesellschaftsstrukturen funktionieren tendenziell nicht.
Beide Modelle funktionieren sehr gut im konservativen Umfeld.
Trotz der demokratischen Strukturen aus Modell 1 ist dort ebenfalls eine Befürwortung zentralisierterer Politiksysteme wahrscheinlich: Auch die Bürger wohlhabenderer Gesellschaften mit geringer Bevölkerung suchen nach Sicherheit - aufgrund einer aktuell unsicherer erscheinenden Weltsituation.
Somit lässt sich allgemin formulieren:
Wir erleben aktuell weltweit einen Rückgang demokratischer Strukturen in den das Weltgeschehen prägenden Volkswirtschaften und Staatenformen.
Der erneute Turnover sollte hier nicht eher als in 1-2 Generationen zu erwarten sein.
(Text: Auszug aus dem "Lexikon der Neuen Klassik", W. M. Kunze, 2007)

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